Die Tasche des Fotoassistenten
Meine ehemalige Dozentin riet mir während meines Studiums, ich vermute mal aufgrund meines gigantischen Talents, alles Zuhause zu vergessen, was nicht irgendwo an mir festgewachsen war, dazu, mir dringend eine “Assi-Tasche” anzuschaffen.
“Assi-Tasche? Hääää?” – jepp, auch meine erste Reaktion gewesen. Im Nachhinein hatte sie mal wieder recht und diese Tasche begleitet mich nun selbst auf jedes meiner Shooting. Aber was ist das denn jetzt für eine ominöse Tasche? Und für was ist sie gut?
Der Sinn der Tasche
In einer “Assi-Tasche” ist all das Zeugs drin, was in jedem Shooting grundsätzlich immer irgendwie fehlt oder kaputt geht. Ganz oft hängt die Fortsetzung des Jobs dann an Kleinigkeiten, die nix kosten und die jeder besitzt, aber keiner dabei hat. Normalerweise ist der Assistent für den ganzen Krempel verantwortlich, daher auch der Name. Der gut vorbereitete Assistent bringt also zusätzlich sein eigenes Wundertütchen mit, möglichst ausgerüstet mit allerlei nützlichem Klimbim.
Es ist hilfreich, wirklich eine eigene Tasche dafür zu nehmen und den Kram nicht irgendwie in die Fototasche mit reinzuquetschen. Wenn man die Tasche auch immer gleich packt und die Sachen ihren festen Platz bekommen, findet man den gesuchten Gegenstand auch schnell und hält im zweifelsfalle auch nicht den ganzen Betrieb auf oder muss erst den ganzen Inhalt der Tasche ans Tageslicht wühlen.
Man kommt so auch nicht in die Verlegenheit, versehentlich nur die Hälfte einzupacken, weil man diese Tasche, im Gegensatz zur regulären Fototasche, ja nicht vor jedem Shooting umpacken muss.
Welche Taschenart?
Das bleibt letztendlich dem Geschmack des Trägers überlassen. Ich persönlich nutze diese Tasche (das Security-Label lässt sich problemlos abnehmen). Praktisch, weil viele Fächer, größenverstellbar, immer am Körper und trotzdem die Hände frei. Eine größere Bauchtasche oder eine ganz normale, kleinere Fototasche funktionieren aber genauso.
Der Inhalt
In meiner Tasche befindet sich unter anderem:
- Tesafilm
- eine Schere
- praktische Ergänzung: ein schweizer Taschenmesser oder gleich ein Leatherman
- Gaffer-Tape (Universallebensretter!)
- Baumwollhandschuhe. Es wird zwar nur noch selten mit Film hantiert, aber wenn, sind wenigstens nicht meine Fingerabdrücke drauf. Gilt ebenso auch für die polierten Teller, die man nur eben kurz zurecht rücken will…
- Ein sauberes(!) Microfasertuch
- Velcro. Das ist selbstklebendes Klettverschlussband. Wunderzeugs, klebt auch mal nen Handblitz an der Decke fest.
- Ball Bungees. Eigentlich zum Befestigen von Zelten, aber das funktioniert auch prima mit Fotoequipment.
- Taschentücher
- Doppelseitiges Klebeband
- Ein Staubblasebalg bzw. eine kleine Dose Dust Off Spray
- Ein Sensorswab
- Kugelschreiber, Bleistift, Filzstift, Edding. Irgendwas muss immer irgendwie beschriftet werden.
- Ein kleiner Notizblock
- Ein 8GB USB-Stick. Als Not-Backup. Kostet fast nix.
- Ein USB-Kartenleser und ein USB-Kabel
- 1-2 Packs frisch aufgeladene AA sowie AAA-Akkus
- Steck- und Sicherheitsnadeln, ein kleines Nähset, eine Hand voll Wäscheklammern, ein paar Haarnadeln. Man weiß ja nie.
- Q-Tipps. Für kleine Flecken.
- Knete. Zum unterfüttern/befestigen/drapieren von widerspenstigen Gegenständen im Setup.
- Kleingeld. Zum Festziehen von Schnellwechselplatten.
- Eventuell eine leere Speicherkarte. Falls Euer Fotograf schlecht vorbereitet ist oder ihr 10000 Bilder mehr als geplant schießt.
Als nützlich erwiesen hat sich desweiteren folgendes:
- Pflaster
- Kopfschmerztabletten
- Sagrotan-Tücher
- Ein Snickers. Wenn’s mal wieder länger dauert…
Manch ein Perfektionist schleppt auch immer Ersatz-Puder und MakeUp-Schwämmchen mit, ich nicht, ich hoffe immer auf organisierte Visagisten.
Desweiteren kommt es natürlich auch drauf an, in welchem Bereich man assistiert. Einen Architektur-Fotografen macht man mit einer Ersatz-Wasserwaage wahrscheinlich glücklicher, als mit einer Puderquaste.
Natürlich überschneidet sich der Inhalt zum Teil mit dem, was der Fotograf eigentlich selber mitbringen müsste. Tut er/sie ja meistens auch. Aber jeder kann mal was vergessen, oder es passiert etwas unvorhergesehenes… Dann ist es großes Kino, die Schreckenssituation gekonnt mit einem weiteren Pack frischer Akkus zu entschärfen.
Fotografen lieben organisierte Assistenten.
Ich persönlich habe die Tasche seit dem bei jedem Shooting dabei, auch wenn ich mal selbst einen Assistenten habe. Wie sieht’s bei Euch aus? Was ist in Eurer Wundertüte Assitasche?
- 23.12.2011
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